Montag, 11. Oktober 2010

Wunderbar

Der Herbst hält Einzug und zeigt sich von seiner allerbesten Seite. Zeit auf den vergangene Monat zurückzublicken.

Zuerst brachte das PET-CT das erwartete negative (=keine Krebsaktivität gefunden) Ergebnis. Gibt zwar ein paar Fußnoten (ua kleine Verdichtung im linken Lungenflügel) aber im Grunde schaut´s unverändert gut aus. Mal hoffen, dass das bei den nächsten Nachuntersuchungen so bleibt!

Am 11. September ging´s mit Sonja und mir von der Ramsau (Nähe Molln) aus über die Feichtauer Alm


auf den Hohen Nock.


Auf der Gipfelwiese erholten wir uns vom Aufstieg (~1400 Höhenmeter) der doch ein paar Stellen mit sich brachte, an denen man auf sich aufpassen musste. Am Rücken liegend begeisterte der Blick auf die sich ständig verschiebenden Wolken.


Der Blick nach vorne


ließ uns Windischgarsten und die Phyrnautobahn erblicken.


Der letzten Monat bot sich immer wieder für Ausfahrten mit dem Drahtesel an. Nachdem zwischen April und Anfang August nicht ans Radfahren zu denken war, macht´s nun wieder umso mehr Spaß.


Hier sehen wir das Donautal an der Schlögener Schlinge. Letzten Freitag hatte es der Rückweg nach Linz ganz schön in sich. Der Wettergott hatte die Windmaschine angestellt. ;-)


Die von der Radtour etwas in Mitleidenschaft gezogenen Füße bremsten am Samstag den Tatendrang. Es ging "nur" von Aschach rein ins Pesenbachtal.


Das Tal zeigt sich im Herbst von seiner schönsten Seite.


Bevor´s mit dem Auto wieder zurück nach Linz geht noch unterhalb des Faustschlössels die Füße hoch lagern


und dabei die schöne Lichtstimmung des anbrechenden Abends genießen.


Sonntag mittag nach einem gemütlichen Abend am Sofa starten wir gegen Mittag gut erholt von Ahorn aus zu einer Tour durch´s nördliche Mühlviertel.


Egal wo man im Mühlviertel unterwegs ist, (fast?) überall zeigt sich die Natur von ihrer schönsten Seite.


Von Ahorn über Helfenberg


fast rauf bis Afiesl.


Für die eine oder andere Pause zwischendurch muss Zeit sein.


Langsam nähert sich auch der schönste Tag seinem Ende. Der frühe Oktober lässt die Blätter in bunten Farben erstrahlen.


Auf den letzten Kilometern verkündet der einfallende Dunst den einbrechenden Abend.

Sonntag, 8. August 2010

go west!

Am Freitag ging´s von Linz kommend über das große deutsche Eck zuerst ins Ötztal, wo wir uns für drei Nächte im Längenfelder Naturhotel einquartiert hatten.

Nach der langen Fahrt spazierten wir zum Füße auslockern entlang der Ötztaler Ache nach hinten ins Tal.


Der nächste Morgen brachte wie erhoffte Sonnenschein und

blauen Himmel.


Der Berge rundherum zeigten sich von ihrer allerbesten Seite. Für ein Sport- und Berg-begeisterten Menschen etwas das einen imensen Reiz ausübt. Auf der anderen Seite war in meinem Kopf noch verankert, dass gerade mal zwei Wochen vergangen waren, seit ich am Linzer Pfenningberg, einem Hügel der sich 350 Meter über Linz erhebt und auf den eine asphaltierte, relative flache Straße, hinaufführt auf halber Höhe umgedreht habe, da mich das damals schlichtweg überforderte. Vermutlich bedingt durch mein grenzwärtiges rotes Blutbild ging dort bei der ersten kleineren Steigung der Puls in die Höhe und das Pochen an meinem Hals erinnerte mich an die Läufe um den Wolfgangsee, bei denen es im Wettkampftempo auf den Falkenstein ging. Und jetzt dieser "Ausnahmezustand" bei geschätzen drei oder vier km/h auf einen der Linzer Haushügel.

Etwas besser war´s nun aber wieder und das ursprünglich geistig geplante im Tal herumspazieren erschien bei diesem phantastischen Wetter als etwas unbefriedigend. Entschieden uns schließlich das Hahlkogelhaus, das sich 800 Höhenmeter über dem Ötztal erhebt und somit knapp über 2.000 Meter über dem Meeresspiegel einen schönen Ausblick auf das Tal und die umliegende Bergwelt bietet ins Auge zu fassen. Wenn der Körper dazu nein sagt muss man halt kehrt machen. So ging´s dann los. Ich im Touristen-Look mit meinem Camper-Deckel, damit am kahlen Kopf nicht´s anbrennt und Sonja in der Sherpa-Rolle mit Rucksack. An einen Rucksack ist bei mir nicht zu denken, da ja der implantierte Port genau dort an der rechten Schulter unter der Haut auf dem Brustmuskel aufliegt, wo der Tragegurt des Rucksacks verläuft.

Sonja regulierte das Tempo am Weg hinauf - der lange Zeit über Forststraßen führte - auf ein Maß, das auch mir gut zu tun schien. Und so saßen wir kurz vor Mittag auf der Hütte uns ließen uns das große Getränk und die Kaspressknödelsuppe schmecken.


Bevor wir den Weg retour ins Tal antraten nutzen wir das Traumwetter noch, um zum Wartkogelsee weiterzuwandern.


Kurz bevor wir am späten Nachmittag zurück im Tal waren, konnten wir einige fleissige Hummeln beobachten, die sich an der von den Disteln gebotenen Nahrung erfreuten.

Nach dem ausgiebigen, sehr leckeren Abendessen versanken wir gegen zehn müde in unseren Betten.

Der Sonntag brachte nochmal tolles Wetter bevor am Montag die nächste Schlechtwetterfront eintreffen sollte. Nachdem der erste Tag bestens lief, wollten wir - oder um ehrlich zu sein mehr ich - nochmal rauf in die Berge. Wir fuhren mit den Auto in den höher gelegenen Nachbarort Gries von wo wir uns den Gamskogel als Ziel setzten. "So weit wir uns wohl fühlen."

Bis zur Nisslalm ging´s gemütlich über eine Forststraße, von dort weiter wurde das Geländer dann doch deutlich alpiner.


Als wir die Schulter so 200 Höhenmeter unter dem Gipfel erreicht hatten, war für uns der Punkt erreicht,an dem es galt Pause zu machen und anschließend umzukehren. Das letzte Stück hätte laut gedrucktem Bergführer Blockkletterei mit sich gebracht. Nicht´s für Sonja´s vom Vortag noch müde Füße und noch weniger etwas für mich, bei dem "Dank" Thrombose-Vorbeuge-Spritzen die Blutgerinnung schlechter ist als normal. (Verletzungen jeder Art und auch Kratzer tunlichst zu vermeiden sind.)

Von der grasüberwachsenen Schulter bot sich ein phantastischer Blick auf die umliegende, mit 3.000´ern gespickte, Bergwelt

und das Ötztal mit Längenfeld.


Nach der Pause noch ein paar

Andenkfotos´in alle Richtungen,

bevor wir uns wieder an den Abstieg machten.


Zurück im Hotel kurz unter die Dusche, bevor die Sonnenterasse zum Relaxen und einlädt und

man nochmal die Blicke über die umliegende Bergwelt schweifen lässt.


Montags ging´s weiter nach Dornbirn. Am Weg raus aus dem Tal fuhren wir in den Wetterwechsel hinein. Sinnflutartiger Regen und Kraupelschauer, die weder von den Scheibenwischern noch von der Straße zu bewältigen waren, ließen einen gerne bei der nächsten Gelegenheit anhalten und auf ein Nachlassen der Schauer warten. Den restlichen Tag verbrachten wir mit Ausnahme des Abendessens faul in unserem weniger tollen Dornbirner Hotelzimmer. Nach zwei sehr aktiven Tagen hatten wir das mehr als verdient. :-)

Einige Tage später war in den Sportteilen der Zeitungen Artikel über einen Spieler von Wacker Innsbruck, der aus Längenfeld stammte. Ziemlich das gleiche Alter wie ich, vor drei Jahren die Diagnose Krebs. Drei Jahre Kampf dagegen. Phasen, in denen es ausschaute, als ob der Kampf gewonnen wäre, bevor der nächste Rückfall diagnostiziert wurde. An dem Tag, über den ich nun schreibe, war für ihn der Kampf verloren. Eigentlich fühlt man sich selbst gut und spürt auch, wie nach überstandener Chemo die körperliche Leistungsfähigkeit zurückkommt. Auf der anderen Seite fragt man sich, ob man selbst wirklich Glück im Unglück hatte und ob man´s wirklich geschafft hat. Nur nicht zuviel darüber nachdenken und den Moment, die Gegenwart genießen!

Nun aber zum Dienstag. Das Wetter zeigte sich auch im Ländle höchst launisch. Bedeckter Himmel wechselte sich mit geöffneten Schleusen am Himmel ab.

Am Weg auf den Dornbirner Aussichtsberg war der Regenschirm Pflichtausrüstung.

Etwas später wurde der Blick auf das Rheintal und den Bodensee zumindest großteils freigegeben.


Naja, wird das mit der Aida-Aufführung auf der Seebühne, auf die wir uns 8 Monate gefreut hatten, klappen?


Als wir in Dornbirn in den Zug nach Bregenz einstiegen verdunkelte ein Gewitter den Himmel. In Bregenz regnete es zuerst, bevor sich um halb acht über dem Bodensee die ersten Wolkenlücken breit machten.


Am Ufer durften wir uns kurz vor Beginn schon die Abendsonne ins Gesicht scheinen lassen, während der Pfänder (Bregenzer Hausberg) im Hintergrund noch in dunkle Wolken gehüllt war.


Kurz vor neun nahmen wir auf der Seebühne Platz.


Wir hatten großes Glück. Die Wettergötter meintens gut mit uns und ließen uns die ganze Aufführung dieser tollen Oper an diesem schönen Ort miterleben.

Auch jemand wie ich, der´s mit der "hohen Kunst" nicht so hat, war schwer begeistert.


Waren das nicht wunderschöne Tage die wir im Westen unseres Landes verbringen durfte?

Sonntag, 25. Juli 2010

Land in Sicht

Vor knapp zwei Wochen war ich zum Start des 4. Chemozyklus wieder mal für drei Tage im Linzer AKH. Gleich am ersten Vormittag wurde ich gebeten, zur Oberärztin ins Zimmer zu kommen. Diesmal gab´s sehr gute Nachrichten. Die Studienzentrale in Köln (meine Behandlung lief im Rahmen der HD18-Studie für fortgeschritten Hodgkin-Lymphome) hat nach Durchsicht meiner Befunde und der Ergebnisse des PET-CT´s vor dem 3. Zyklus entschieden, dass bei mir vier Zyklen ausreichend sein sollten. Ich es somit fast geschafft haben sollte.

Die vergangen beiden Wochen liefen großteils im gewohnten (Nebenwirkungs-)Rahmen. Diese Woche waren ein paar Tage dabei, an denen sich mein bescheidenes Blutbild dann doch bemerkbar machte. Nach den vier Zyklen ist die Anzahl meiner roten Blutkörperchen auf etwa 55 Prozent des Normalniveaus gefallen. Nachdem die Chemo nun vorbei ist, sollte sich dieser Wert in den nächsten Wochen und Monaten aber wieder auf das Normalniveau einpendeln. In der Tagesklinik wurden mir ein Rezept für EPO-Spritzen angeboten, mit denen man hier etwas nachhelfen kann. Vertraue aber ganz darauf, dass das mein Körper auch so hinbekommt und die Produktion der roten Blutkörperchen von selbst wieder anläuft.

Heute war der letzte Tag, an dem ich die Kortison-Tabletten einwerfen musste. Ab morgen gibt´s nur noch ganz reduziertes Medikamenten-Programm. Juhuu!

War heute am morgen vor dem Frühstück schon eineinhalb Stunden Nordic Walking. Bei den jetzt wieder kühlen Temperaturen macht das richtig viel Freude.


Nachdem die letzten Monate doch deutlich anders als noch am Anfang des Jahres erwartet gekommen sind, gilt´s jetzt wieder nach vorne zu schauen. Am 6. September steht nochmal eine PET-CT-Untersuchung an. Bis dahin sollte sich mein Körper großteils von der Behandlung der letzten Monate erholt haben. Mit dem zu erwartenden grünen Licht in gesundheitlichen Dingen sollte es dann wieder retour in den normalen Alltag gehen.

Vorerst freue ich mich auf die nächsten beiden Wochen. Schenkte vergangenes Jahr zu Weihnachten Sonja zwei Karten für die Aida-Aufführung am 3. August auf der Seebühne in Bregenz. Saß vergangenen September außerhalb der Festspielsaison schon mal auf der Seetribühne und dachte mir damals, dass das an einem lauen Sommerabend sehr stimmig sein sollte.

Einer der Kursteilnehmer beim damaligen SQL Server Analysis Services - Kurs schwärmte mir ebenfalls vor, wie toll das ist.

Ja, wir können hinfahren! Werden schon am Freitag ins Ötztal nach Längenfeld düsen. Dort ein paar Tage mit Relaxen und gemütlichen Wanderungen verbringen, bevor es am Montag in´s Ländle weitergeht. Hoffe mal, dass uns am Dienstag-Abend bei der Aida-Aufführung die Wettergötter ähnlich positiv gestimmt sind, wie sie mir mein persönlicher Glücksengel in gesundheitlichen Dingen in den letzten Monaten war.

Samstag, 10. Juli 2010

Hochsommer

Der nächste 3-Wochen-Zyklus nähert sich dem Ende. Blicken wir auf ein paar Ereignisse zurück.

Begonnen hat´s an einem Montag-Morgen um 06:00 mit dem "Einrücken" ins AKH. Gleich in der Früh stand mit dem PET-CT die erste Kontrolluntersuchung am Programm. Das Ergebnis war das erhoffte/erwartete. Die befallenen Lymphknoten bilden sich in Bezug auf die Größe deutlich zurück und haben nur noch wenig "Uptake", was ziemlich direkt mit Krebsaktivität gleichgesezt werden kann. Anschließend ging´s bis Mittwoch mit dem gewohnten stationären Chemo-Programm weiter. Die anschließenden Nebenwirkungen waren im gewohnten Ausmaß, nur der Bauch (Magen/Darm) machte sich ewas stärker als bisher bemerkbar.

Unten sieht man ein Foto der gesammelten Medikamente, die das "Begleitprogramm" zur Chemo darstellen. Ganz schön viel, wenn man sein Leben zuvor beinahe ohne Medikamente bestritten hat.


Am nächsten Bild sind die leeren Spritzen zu sehen, die während eines Chemo-Zyklus anfallen. (Thrombose-Vorbeugung (violett) und die grünen Spritzen, welche die Bildung der weißen Blutkörperchen anregen sollten. Durch die Chemo geht das Blutbild ziemlich in den Keller. Die Chemo hemmt das Zellwachstum und somit auch die Neubildung der Blutkörperchen. Die weißen Blutkörperchen sind wichtig, damit die Imunabwehr halbwegs auf Normalniveau funktioniert.)


Genug mit dem Medizin-Zeug. Die Zeit daheim bringt mit sich, dass man für sein Essen selbst verantwortlich ist. Je nach Lust und Laune entsteht, worauf man Gusto hat. Unten sieht man einen Tag, an dem ich mich ziemlich ins Zeug legte.



Vergangenes Wochenende zog´s uns in Salzkammergut. Die Ferienwohnung von Sonja´s Großeltern in Altmünster diente als Ausgangsbasis.

Gleich am ersten Abend gingen wir das Stück auf den Gmundnerberg rauf. Dort stehen zwei Holz-Schaukeln/Liegen herum,


von den sich der prächtige Ausblick auf Traunsee und Traunstein


genießen lässt.


Ist das nicht traumhaft?


Am Tag darauf wanderten wir von Neukirchen zum Wildpark Hochkreut.


Samstag´s ging´s schließlich beim hochsommerlichen Temperaturen um 30 Grad entlang eines großteils schattigen Waldweges von der Taferlklause


zu den beiden Langbathseen. Dort angekommen erwartet einen eine Quelle mit eiskaltem Wasser.


Vom äußersten Punkt unserer Wanderung sieht man vom vorderen Langbathsee auf den Brunnkogel, auf dem ich vor ein paar Jahren schon mal oben stand.


Zur Mittagszeit flüchteten wir uns an ein schattiges Plätzchen am See.


Am Ufer des Sees bewegen sich Blutegel durch das seichte Wasser. Naja, ....


Der Sonntag brachte den angekündigten Wetterwechsel. Über Bad Ischl zog´s zu und es wurde bedrohlich dunkel.


Im Zentrum warten schön gestaltete Parks auf die Besucher.


Der spätere Nachmittag öffnete dem Himmel die Schleusen. Mit bissal Glück fand sich für uns ein Unterstand.


Zum Erzählen gäb´s noch einiges. Ein Tag in St. Leonhart bei Freistadt (Wanderung + Besuch einer alten Bekannten und deren kleinen Tochter) und zwei Tage bei den Eltern, die aber großteils zur Arbeit hinter dem Dienstnotebook genutzt wurden. Möchte nun für heute zum Schluss kommen. Den Rest-Samstag und Sonntag noch an schattigen Plätzchen verbringen, bevor´s am Montag im AKH mit dem 4. Zyklus weitergeht.

Dienstag, 8. Juni 2010

Chemotherapie

Bei mir läuft jetzt seit vier Wochen die Chemotherapie. Die 3-Wochen-Zyklen starten mit drei stationären Tagen, die sich aus Kontrolluntersuchung (EKG, Blutbild, allgemein) sowie dem Hauptteil der Chemo zusammensetzen. Die Woche darauf ist ein ambulanter Vormittag im Krankenhaus am Programm. (Blutbild-Check plus zwei intravenöse Chemo-Medikamente) Dazwischen gibt´s (vor allem in der ersten Woche) daheim eine Latte Tabletten zu schlucken. (Cortison, Natulan, Magenschutz, Antibiotikum, ...)

Das ganze läuft bis jetzt recht gut. Irgendwie rechnet man damit, dass Nebenwirkungsmäßig irgendwas kommt, das überhaupt nicht gut ist. Das blieb bis jetzt aus. Während der drei jeweils stationären Tage ist der Bauch etwas eigenartig. Leichte Übelkeit, aber nicht´s das man nicht aushalten würde. Einhergehend kommt ein eigenartiger Geschmack im Mund, den ich beim ersten Zyklus noch als Bittermandelgeschmack beschrieben hätte, jetzt halt einfach als bissal komisch. Die Mundschleimhäute machen sich vor allem in der ersten Woche bemerkbar, beim ersten Zyklus war dann in der zweiten Woche der Hals kratzig. Mal schauen, ob das diesmal auch noch kommt. ;-)

Durch die Veränderungen im Mund schmecken mir saure Dinge tendenziell besser als süße Sachen. Nachdem mir aber ohnehin geraten wurde eiweißreich zu essen (Sportler der gewichtsmäßig eher an der unteren Grenze ist, soll während der Chemo zumindest nicht abnehmen) trifft sich das gut. Im Kühlschrank warten Hühnerfilets darauf gebraten zu werden, dazu wird´s Bratkartoffel gegeben, die ich gestern schon vorgekocht habe. Beim Einkauf fand sich dann noch Häupel grüner Salat, der heute mal mit Kürbiskernöl angerichtet wird. Falls dann noch immer Hunger bleiben sollte würden im Gefrierschrank auch noch ein paar Nougatknödel auf mich warten.

Wo ich vorher bei den Nebenwirkungen der Chemo war, die eigentlich nicht wirklich schlimm sind, so gibt´s doch noch eines aufzuzählen, das optisch am stärksten hervorsticht. Fast schon pünktlich zwei Wochen nach dem Start gingen die ersten Haare aus. Also mal mit dem Haartrimmer auf kurzer Stufe durchgegangen, damit ich nicht zu viel "Mist" in der Wohnung produziere. Knapp eine Woche später wollte ich die Restbehaarung waschen. Der Blick in die Dusche sprach mehr als tausend Worte. Der anschließende Blick in den Spiegel zeigt die ersten fast kahlen Flecken am Kopf. Somit etwas nach elf am Abend alleine in der Wohnung mich zum abrasieren der Reste durchgerungen. Wenn man das noch nie gemacht hat gar nicht so easy. Trimmer ohne Aufsatz --> haut nicht hin. Rasierer einfach so. --> Funkt auch nicht. Somit meinen ganzen Kopf mit Rasierschaum eingeschmiert und dann nochmal mit dem Rasierer mein Glück versucht. Das klappte dann ziemlich gut. Reicht zwar noch nicht für die fortgeschrittene Mitgliedschaft im Bruce-Willis-Club, als Aufnahmeprüfung hat´s aber gereicht. War echt happy, die Resthaare weitestgehend losgeworden zu sein ohne mich beim Rasieren geschnitten zu haben. Die Mitgliedschaft im Bruce-Willis-Club ist ohnehin zeitlich begrenzt. Mit Jahresende sollten die Haare auf meinen Kopf wieder zu wachsen beginnen. Angeblich sogar dichter als vorher, wobei ich bisher mit dem Bewuchs auch schon sehr zufrieden war. ;-)

Könnte noch bissal darüber schreiben, wie ich meine Tage derzeit so verbringe. Nachdem´s draußen warm bis heiß ist, stand ich heute um viertel nach sieben gut ausgeschlafen und erholt auf. Kurz ab ins Bad, Kopf mit Sonnencreme einschmieren, Fruchtschnitte und ein Glas trinken und raus. Von Sonja´s Wohnung nahe dem Pleschingersee mit den Nordic Walking - Stecken rauf auf Pfenningberg. Ist ein gemütlicher, großteils schattiger Wanderweg, bei dem man sich wie am tiefen Land fühlt, auf der anderene Seite aber auch tollen Blick auf Linz hat. Die Bauern mähen gerade das Heu, wodurch ein toller Duft in der Luft liegt. Gut geschützt durch einen großen "Wanderdeckel" (Kopfbedeckung) kann man auch die Passagen in der Morgensonne genießen. In den knapp zwei Stunden macht sich totales Wohlbefinden breit. Sind Dinge, für die man in unserem ansonsten hektischen Berufsalltag keine Zeit hat. Am liebsten wäre ich an einem schattigen Plätzchen des Pfenningbergs sitzen geblieben und hätte dort die Zeit stehen lassen.
Ganz ohne Zwänge geht´s dann aber doch nicht ab. Mein Morgen-Tablettenprogramm und die Spritze für die weißen Blutkörperchen warteten auf mich. War dann um halb zehn retour in der Wohnung. Kurz unter die Dusche und anschließend ausgiebiges Frühstück mit "Begleitprogramm". Danach lege ich mich meistens nochmal hin. Eine Stunde oder so... Der Körper ist damit beschäftigt, das "Begleitprogramm" aufzunehmen und zu verarbeiten.
Jetzt geht´s dann mal wie vorher schon beschrieben ans Mittagessen, dann mal schauen, was der Nachmittag noch bringt. Bissal MFT-Disk, bissal Bioswing, bissal Gymnastik dazwischen mal Pause am Sofa und vielleicht auf der Wii mit dem Princen von Persien spielen. Abwaschen und Wohnung kehren soll auch mal sein. Und falls mir danach ist, könnte ich mich ein, zwei Stunden ins Firmennetzwerk einklinken und leichtes Arbeitsprogramm machen. Könnte, ... mal schauen. :-)

Die Abendstunden so von sieben oder halb acht weg muss ich nochmal raus. Das einzige "muss". Gestern mit Sonja am Ufer des Pleschingersees gesessen, während die Sonne immer flacher wurde. Das Licht zunehmend gelblich. Ein paar Fischer die Karpfen aus dem Wasser angelten und eine Entenfamilien die vor uns ihren Flausch mit ihren Köpfchen sortierten.

Im Leben ist man immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen man sich fragt, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Denke, dass sich diese Frage auch mit der Diagnose Hodgkin/Krebs und Chemotherapie eindeutig beantworten lässt. Halb voll! Gefühlt deutlich mehr als halb voll!

Freitag, 7. Mai 2010

Hodgkin

Das Leben hält für einen so manche Prüfung bereit, mit der man nicht rechnet. Bei mir ist es ein Hodgkin-Lymphom. Auf mich wartet eine Zeit in denen die Prioritäten anders gesetzt sind. Für die Menschen in meinem Umfeld bedeutet dies, dass ich als Begleiterscheinung der nächsten Woche beginnenden Chemotherapie anders als gewohnt ausschauen werde. Ich werde im wahrsten Sinn des Wortes Haare lassen und mein jetziges Gesunder-Mensch-Aussehen zumindest teilweise gegen das eintauschen, wie man sich einen Menschen mit Krebserkrankung vorstellt.

Durch die Chemotherapie wird mein Immunsystem geschwächt und die Infektanfälligkeit deutlich erhöht sein. Muss während der nächsten Monate daher auf ein paar Dinge verzichten, auf die ich mich gefreut habe. Meiden von Menschenansammlungen (Schade ums AC/DC-Konzert, was ist mit den geliebten Kino-Abenden??) und nur Kontakt mit Menschen die möglichst keine Krankheitserreger mit sich herumschleppen.

Sind aber alles Dinge, die man gerne in Kauf nimmt, um wieder gesund zu werden. Möchte diese Zeit so normal wie möglich gestalten. Denke und hoffe, dass es auch weiterhin von der einen oder anderen Aktivität zu berichten gibt. Wird wohl weniger spektakulär und sportlich ausfallen wie manches in der Vergangenheit, aber es gibt auch im näheren Umfeld genug schöne Dinge zu erleben, für die man sonst vielleicht keine offenen Augen hat.

Update 9.5.2010:

Sonntagsspazierung mit dem elterlichen Hovawart Vitus, bevor es wieder ins Krankenhaus geht.

Samstag, 3. April 2010

back again

Der Winter hatte uns lange im Griff. Machte richtig Laune. Erinnere mich an eine Wanderung von Bad Leonfelden aus rund um den Sternstein, als wir bei guten, aber kalten Wetter froh über unsere Thermoskanne mit heißem Tee waren. Oder eine Tour von Linz-Urfahr aus nach Oberbairing bei dem die Gamaschen erstmals zu Topform auflaufen konnten. (Damit macht´s Freude, durch knietiefen Schnee zu waten.)

Stop. Zurück in die Gegenwart. Die Wetterfrösche überschlugen sich geradezu mit ihren Prognosen für den Karsamstag.


Freitag-Abend die Wanderführer gezückt und eine Tour von Haibach ob der Donau, runter an die Schlögener Schlinge, weiter nach Inzell und schließlich wieder retour gefunden, die unser Interesse weckte.


Die Schlögener Schlinge zeigt sich noch eher herbstlich. Der Laubwald rundherum ist noch braun.


Unten an der Donau sind bei mir die Jacke und die abgezippten Hosenfüße in den Rucksack gewandert.


Entlang des Weg´s fand sich eine Vielzahl an heimischen Frühlingsboten.


Stellvertretend dafür "Hänsel und Gretel" sowie die Buschwindröschen. Gesehen haben wir Schlüsselblumen, Leberblümchen, Huflattich, Veilchen und einiges mehr.


Dave Grohl von den Foo Fighters bringt unser Stimmung auf den Punkt:
"It's times like these you learn to live again
It's times like these you give and give again
It's times like these you learn to love again
It's times like these time and time again"

"Technische Sache" am Ende: Blog-Schreiben war gestern, Facebook ist heute. Werde auch dort hin und wieder mal was reinstellen, das vielleicht nicht immer den Weg ins Blog findet. --> Vielleicht auch dort hin und wieder mal reinschauen, falls ihr nicht ohnehin schon "drinnen" seid. :-)